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Sachsen-Anhalt schließt Pflegeheime, Sachsen prüft Aufnahmestopp!

Die prophezeite Krise in der Pflege kommt offenbar mit Wucht auch in Mitteldeutschland an. In Sachsen-Anhalt droht dem zweiten Heim binnen weniger Wochen das Aus, in Sachsen wird ein Aufnahmestopp für über 400 Betten in drei Heimen geprüft.

Die prophezeite Krise in der Pflege kommt offenbar mit Wucht auch in Mitteldeutschland an. Bis 2030 fehlen allein in Sachsen-Anhalt ein Drittel mehr Pflegepersonal. Aktuell sind es 47.000 Menschen.

Halle/Leipzig. Die prophezeite Krise in der Pflege kommt offenbar mit Wucht auch in Mitteldeutschland an. In Sachsen-Anhalt droht dem zweiten Heim binnen weniger Wochen das Aus, in Sachsen wird ein Aufnahmestopp für über 400 Betten in drei Heimen geprüft, auch Thüringen untersagte in den letzten Jahren schon die Wiederbelegung von Plätzen in Pflegeheimen.

Sachsen-Anhalt

Besonders akut scheint die Situation in Sachsen-Anhalt zu sein. Dort läuft aktuell ein Eilverfahren zur Schließung eines Pflegeheimes im Saalekreis. Dies bestätigte Nicola Baus, Sprecherin des halleschen Verwaltungsgerichts auf Anfrage. Dem Vernehmen nach wird hierzu noch im November eine Entscheidung fallen. Hintergrund sollen massive Mängel in der Einrichtung sein. Der Eigentümer widersprach auf Nachfrage allen Vorwürfen, stritt zudem ein schwebendes Gerichtsverfahren ab. Beides sieht man im sachsen-anhaltischen Landesverwaltungsamt bei der Heimaufsicht allerdings anders.

Die Behörde in Sachsen-Anhalt hatte zudem vor wenigen Wochen der Schließung einer Pflegeeinrichtung in der Linzer Straße in Halle zugestimmt, nachdem die Heimleitung trotz intensiver Suche bei Zeitarbeitsfirmen, Arbeitsagenturen sowie in anderen Bundesländern den akuten Personalmangel nicht beheben konnte. „Eine anderweitige Unterbringung der 13 Bewohner konnte durch uns organisiert werden“, sagte Pressesprecherin Denise Vopel vom Landesverwaltungsamt. Laut laut sachsen-anhaltischem Sozialministerium leidet die Branche unter einem extremen Fachkräftemangel. Demnach wird bis zum Jahr 2030 ein Drittel mehr Pflegepersonal benötigt als aktuell. Rund 47 000 Menschen arbeiten in Sachsen-Anhalt in der diesem Bereich.

Sachsen

Wie sieht es sonst in Mitteldeutschland beim Thema Pflege aus? In Sachsen mussten laut Nicole Sohr, Fachdienstleiterin beim zuständigen Kommunalen Sozialverband Sachsen, seit Anfang 2013 keine Pflegeheime wegen Personalmangels durch den Fachdienst Heimaufsicht geschlossen werden. Allerdings gibt es aktuell drei kritische Fälle, bei denen die Anordnung eines Aufnahmestopps geprüft wird. „Dies betrifft eine Gesamtkapazität von 416 Betten“, so Sohr. Es handele sich hierbei nicht um eine Schließung oder Stilllegung, sondern um eine „Teilschließung“. Seit 2013 sei es zudem sechs Einrichtungen untersagt worden, weitere Bewohner aufzunehmen. „Zwei befanden sich im Landkreis Meißen, je eine in den Landkreisen Erzgebirge, Nordsachsen und Bautzen sowie in der Stadt Dresden.“

Thüringen

Etwas entspannter scheint die Situation in Thüringen zu sein. „In Thüringen musste in den letzten Jahren kein Pflegeheim wegen Personalmangels geschlossen werden“, erklärte Petra Freytag vom dortigen Landesverwaltungsamt.

„Der Personalmangel in der Pflege betrifft sowohl alle Einsatzbereiche der Pflege als auch alle Bundesländer nahezu gleichermaßen“, erklärt Sabine Karg, Sprecherin beim Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe. In Mitteldeutschland sei der Fachkräftemangel besonders stark, weil hier vergleichsweise viele ältere Menschen leben und damit künftig noch mehr Menschen versorgt werden müssen. „Außerdem gibt es – auch aufgrund der Demografie – weniger junge Menschen, die den Pflegeberuf ergreifen“, so Karg. Der aktuelle Pflegereport der Bertelsmann-Stiftung bis 2030 zeige, dass einerseits deutschlandweit die Anzahl der Pflegebedürftigen um rund 50 Prozent zunehmen wird, und nach heutigen Berechnungen andererseits, dass – ohne grundlegende Weichenstellungen – rund eine halbe Millionen Stellen für Vollzeitkräfte in der Pflege unbesetzt bleiben.

„Hauptursachen für den Pflegepersonalmangel sehen wir in der Arbeitsbelastung, die wiederum hauptsächlich aus dem eklatanten Pflegepersonalmangel resultiert, im Image des Pflegeberufs und in der – gemessen an der Arbeitsbelastung – vergleichsweise schlechten Bezahlung“, so die Sprecherin. Es gebe noch immer einen großen Gehaltsunterschied zwischen West und Ost. „Dieser liegt bei rund 18 Prozent in der Krankenpflege, in der Altenpflege sogar bei 30 Prozent.“ Und: „Laut Informationen, die uns vorliegen, bezahlen zum Beispiel in Sachsen rund 50 Prozent der Einrichtungen nicht nach Tarif“, sagt Karg.

Quelle: Leipziger Volkszeitung
Autor: Martin Pelzl
Bild: dpa