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Neue Leitlinie: weniger Antibiotikaeinsatz bei Pneumonien!

Nosokomiale Pneumonien vs. bakterielle Resistenzen.

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Die nosokomiale Pneumonie (hospital-acquired pneumonia / HAP) und die beatmungsassoziierte Pneumonie (ventilator-associated pneumonia / VAP), die 20 bis 25% der nosokomialen Pneumonien ausmachen, sollten antibiotisch mit kürzeren Behandlungszyklen therapiert werden, als dies normalerweise der Fall ist – so sehen es die neuen Leitlinien der Infectious Diseases Society of America (IDSA) und American Thoracic Society (ATS) vor, die im Journal Clinical Infectious Diseases veröffentlicht wurden. Die Empfehlungen von sieben oder weniger Tagen Antibiotikagabe für die meisten dieser Infektionskrankheiten zeigen einen Wechsel weg von früheren Leitlinien zur Realisierung einer sicheren und effektiven Behandlung sowie Eingrenzung bakterieller Resistenzen Antibiotika gegenüber.

Die neuen Leitlinien wurden durch ein interdisziplinäres Forum von Spezialisten für Infektionskrankheiten, Intensivpflege und von Pneumologen ins Leben gerufen und sehen vor, dass jedes Krankenhaus ein Antibiogramm sowie eine regelmäßig Analyse der in der jeweiligen Klinik Pneumonien verursachenden Bakterien und eine Aufstellung entsprechend wirksamer antibiotischer Substanzen entwickelt. Sofern das möglich ist, sollten die Antibiogramme individuell für die jeweiligen Patienten auf den Intensivstationen angefertigt werden, so fordern es die Leitlinien. Die Antibiogramme sollten regelmäßig erneuert werden, und die jeweils dafür adäquate Frequenz sollte durch die entsprechende Institution festgelegt werden.

“Sobald Kliniker regelmäßig darüber informiert werden, welche Fehler VAPs und HAPs in ihren Krankenhäusern verursachen und auf welche Antibiotika die entsprechenden Bakterien sensibel reagieren, können sie die jeweils effektivste Therapie auswählen.”, erklärte Dr. Andre C. Kalil, Arzt, federführender Autor der neuen Leitlinien und Professor für Humanmedizin in der Abteilung für Infektionskrankheiten sowie Leiter des Programms für Infektionskrankheiten nach Transplantationen an der Universität von Nebraska in Omaha. “Auf diese Weise lässt sich die medizinische Betreuung individualisieren und gleichzeitig wird sichergestellt, dass Patienten schnellstmöglich mit dem passenden Antibiotikum behandelt werden.”

Die Leitlinien, die 2005 veröffentlicht wurden, empfahlen eine jeweils unterschiedliche Therapiedauer der antibiotischen Behandlung, je nach Bakterienspezies. Die Leitlinien von 2016 empfehlen nun eine Behandlungsdauer von sieben Tagen oder weniger für alle Bakterien. Neuere Erkenntnisse legen nahe, dass eine kürzere Therapie ihre positiven Effekte nicht einschränkt; darüber hinaus kann dieses Therapieregime dazu beitragen, Antibiotika bedingte Nebenwirkungen zu verhindern, so auch eine Infektion mit Clostridium difficile, einer ernsthaften Durchfallerkrankung, aber auch Antibiotikaresistenzen und Kosten, erläutert Dr. Kalil. In einigen Fällen, wenn sich der Zustand eines Patienten zum Beispiel nicht verbessert oder gar verschlechtert, kann eine längere Therapiedauer vonnöten sein.

Beatmungsmaschinen helfen einigen Patienten beim Atmen. Sie werden eingesetzt, wenn Patienten unter Allgemeinanästhesie operiert werden, oder aber zur Therapie von Patienten mit eingeschränkter Lungenfunktion. Jedoch einer von zehn Patienten an der Beatmungsmaschine bekommt eine VAP, was in 13% der Fälle letal endet. Darüber hinaus steigt die VAP-Rate: abhängig von der Dauer, über die ein Patient an der Beatmungsmaschine bleibt – im Durchschnitt zwischen 7,6 und 11,5 Tagen – und von der Dauer des Krankenhausaufenthalts – durchschnittlich zwischen 11,5 und 13,1 Tagen. Während die HAP typischerweise eine etwas weniger gefährliche Infektion darstellt, erlebt die Hälfte der Patienten ernsthafte Komplikationen, darunter auch Lungenversagen, Lungenödeme, septische Schockzustände und Nierenversagen.

Text: esanum/mk

Quelle: Esanum.de